Die Botschaft im Wortlaut:
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
die vergangenen Monate waren anspruchsvoll und haben uns alle gefordert: geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte, verschärfter Wettbewerb.
Allein die US-Zölle belasten den Volkswagen Konzern mit rund 5 Milliarden Euro jährlich. Gleichzeitig bricht der Gesamtmarkt in China förmlich ein - im ersten Halbjahr um gut 20 Prozent. Und das bei weit über 500 neuen Modellen in den ersten sechs Monaten. Ein Wettbewerb im Ausnahmezustand. Und in der Folge drängen chinesische Hersteller mit Wucht in unseren Heimatmarkt Europa - und gewinnen schnell Marktanteile. Allein bei den Plug-In-Hybriden sind es schon mehr als 30 Prozent.
In den Medien wird viel über die Volkswagen Krise gesprochen und geschrieben. Tatsächlich erleben wir eine Krise, die alle Autohersteller gleichermaßen trifft. Umso wichtiger ist der Blick auf unsere Halbjahreszahlen – die wir heute präsentiert haben.
Sie zeigen: Der Volkswagen Konzern behauptet sich in diesem massiv herausfordernden Umfeld. Auch im Vergleich zum Wettbewerb.
Trotzdem müssen wir enorm kämpfen. Und für unsere Ziele weiter hart an unserer Leistungsfähigkeit arbeiten.
Für das Gesamtjahr erwarten wir ein robustes Ergebnis über Vorjahresniveau – auch wenn unser operatives Ergebnis in der ersten Jahreshälfte rund 12 Prozent darunter liegt. Unser Umsatz ist stabil. Cashflow und Netto-Liquidität liegen auf einem soliden Niveau. Anders gesagt: Wir erwirtschaften Geld und haben ein finanzielles Fundament.
Entscheidend ist, dass unsere neuen Produkte hervorragend in den Märkten ankommen. In den ersten sechs Monaten haben wir in Europa und den anderen Weltregionen außerhalb von China mehr Fahrzeuge ausgeliefert als im Vorjahr. Unsere Electric Urban Car Family mit dem ID. Polo und ID. Cross, dem Cupra Raval und dem Skoda Epiq startet außerordentlich stark: mehr als 70.000 Bestellungen in den ersten Wochen – und das, bevor die Menschen die Modelle überhaupt auf der Straße gesehen haben. Gleichzeitig sind unsere Auftragsbestände für vollelektrische Fahrzeuge in Europa im ersten Halbjahr um über 50 Prozent gewachsen.
Was bedeuten diese Zahlen für uns?
Für mich gibt es darauf drei klare Antworten. Erstens: Wir sind handlungsfähig. Die Zahlen geben uns eine Basis, um im aktuellen Marktumfeld zu bestehen, den Kurs auf unsere Jahresziele zu halten und die Transformation weiter entschlossen voranzutreiben. Zweitens: Unsere grundlegende Neuausrichtung der vergangenen Jahre zeigt Wirkung. Dass wir heute handlungsfähig sind, haben wir uns systematisch und konsequent erarbeitet. Wir haben Produkte und Technologien verbessert, unsere Regionen gestärkt, Strukturen vereinfacht, Kosten gesenkt und unsere Produktivität erhöht. Deutliche Fortschritte sehen wir im Design: Unsere Produkte werden mit definierten Markenidentitäten wieder klarer und unverwechselbarer. Bei Volkswagen spüren wir positive Resonanz auf die markentypischen Proportionen, Formen und Linien - und darauf, dass wir ikonische Namen wie Polo und GTI auch im elektrischen Zeitalter positionieren. Bei Audi sind die markenprägenden RS-Modelle und der neue Q7 hervorragend gestartet.
Disziplinierte Programme verbessern die Qualität unserer Produkte. Spürbar. Messbar. Über alle Marken. Volkswagen, Škoda, unsere Nutzfahrzeuge, Cupra und Seat erreichen in 2026 bei Garantie-, Kulanz- und Schadensfällen historische Bestwerte. Und Porsche hat mit strukturierter Detailarbeit bei der renommierten Kundenzufriedenheitsstudie JD Power die Spitze im US-Gesamtmarkt erobert.
Finanziell arbeiten wir seit drei Jahren in markenübergreifenden Performance Programmen. Die Beiträge sind immens. Mit ihnen kompensieren wir mittlerweile finanzielle Umfeld bedingte Gegenwinde in zweistelliger Milliardenhöhe. Die Fortschritte unserer gemeinsamen Arbeit werden sichtbar. Wir alle bringen viel Energie und Kraft dafür auf. Und es lohnt sich: Danke für Euren starken Einsatz!
Meine dritte Antwort: Wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Wir sehen: Die Richtung stimmt. Unsere Ergebnisse sind noch robust, aber keine Garantie für die kommenden Jahre. Die Situation in den weltweiten Märkten verschärft sich in bisher unbekannter Geschwindigkeit. Und wegen unserer weiterhin zu hohen Kosten verdienen wir zu wenig mit unseren Autos. Denn nur mit nachhaltig starken Ergebnissen können wir unsere Zukunftsinvestitionen aus eigener Kraft stemmen.
Zusätzlich beobachten wir, dass Risikoszenarien konkreter werden. Viel schneller, viel dramatischer, als wir es alle hätten erahnen können.
Es trifft die gesamte Automobilbranche wie unter einem Brennglas – und härter als viele andere Industriezweige. Ob Hersteller oder Zulieferer – alle haben die gleichen Aufgaben zu lösen. Uns allen muss klar sein: Wenn wir uns jetzt nicht weiterbewegen, geraten wir immer stärker unter Druck – und das mit Folgen für unsere Ertragskraft – und dann für unsere Zukunft. Deshalb handeln wir. Und zwar jetzt.
Fahrzeuge in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und als Weltauto verkaufen – dieses Geschäftsmodell, das uns über Jahrzehnte erfolgreich getragen hat, funktioniert heute nicht mehr für alle Marken, in allen Regionen. Darum entwickeln wir es weiter. Mutig und entschlossen. Und im Bewusstsein, dass wir es können. Nur weil wir uns in den vergangenen Jahren so grundlegend neu ausgerichtet haben, gehen wir in die nächste Phase der Transformation aus eigener Kraft.
Gleichzeitig ist mir klar: Euch alle beschäftigen die Diskussionen über die Zukunft unseres Unternehmens. Ihr sprecht darüber mit Kolleginnen und Kollegen, in euren Familien und mit Freunden. In den Medien wird vieles geschrieben, vieles spekuliert. Häufig tendenziös und überspitzt. Oft bleiben dabei Fragen offen. Ich verstehe, dass alles das Sorgen, Unverständnis und Frust erzeugen kann. Auch mir wäre es lieber, wir könnten heute schon ein gesamtes Bild intern und extern präsentieren und euch in allen Aspekten klare Antworten geben.
Wir haben genau dieses Bild erarbeitet und vorliegen, konnten aber bisher nur über einzelne Bausteine informieren. Vertrauliche Informationen, die noch beraten werden, können erst berichtet werden, wenn Entscheidungen getroffen sind. Trotzdem sind wir seit Monaten im kontinuierlichen Dialog - mit dem Management, den Betriebsräten und in vielfältigen Austauschformaten in unseren Marken, Gesellschaften und Regionen. Dort informieren wir über den Stand der Planungen. Und werden das auch weiterhin genauso machen.
Wir haben eine klare Strategie. Wir haben einen konkreten Plan. Und wir haben vor allem starke Teams. Was wir nicht haben – ist Zeit.
Deshalb sind wir unmittelbar in vielen Feldern gestartet und setzen bereits Maßnahmen aus unserem Zukunftsplan um. Ich kann euch versichern - wir haben dabei eine unmissverständliche Absicht: Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft unseres einzigartigen Konzerns sichern. Und zwar dauerhaft. Klar ist: Wir müssen noch stärker an unseren Kosten arbeiten.
Aber klar ist auch: Es ist kein reines Sparprogramm – es ist vor allem ein Zukunftsprogramm. Es ist das umfassendste und strategisch tiefgreifendste Zukunftsprogramm, das der Volkswagen Konzern jemals in seiner Geschichte angepackt hat. Für Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit, Strukturen und Wachstumsfelder. Zentral ist: Wir wollen einfacher werden, schneller werden und unsere Ressourcen dort einsetzen, wo sie den größten Mehrwert bringen. Mit einem klaren Fokus: Unser Unternehmen mit voller Innovationskraft an der Spitze des Wettbewerbs zu positionieren. Unser Geschäftsmodell passen wir konsequent an die Realität der Märkte an.
Und gleichzeitig nutzen wir neue Chancen und erschließen Potenziale. Und das alles nicht aus Selbstzweck. Wir machen es aus Verantwortung. Für unsere Kunden. Für unser Unternehmen. Für unsere Partner. Und vor allem - für die Menschen im Konzern. Der Volkswagen Konzern ist ein Arbeitgeber mit Zukunft – und bleibt ein Arbeitgeber mit Zukunft. Unsere Aufgabe ist groß. Wir wissen, was wir können – und wir wissen, was zu tun ist. Das haben wir oft genug bewiesen. Und auch die nächsten Schritte werden wir erfolgreich meistern. Wir sind in extrem unruhigen Fahrwassern unterwegs – aber wir halten stabil Kurs. Deshalb blicke ich motiviert und zuversichtlich auf das zweite Halbjahr.
Danke für Eure Leidenschaft - und Euren Teamgeist.




